Edie Lou Freisinger


Schon als Kind wollte Edie nicht einfach Kleidung tragen, sondern verstehen. Als sie die Chanel-Jacke ihrer Mutter auseinander­nahm, um ihre Konstruktion zu begreifen, war das kein Akt der Rebellion, sondern pure Neugier. Dieser Drang, hinter die Oberfläche zu schauen, führte sie von 2014 bis 2016 an die STF, wo sie den Studiengang Fashion Assistant (Anm. d. Redaktion: Der Studiengang heisst heute Fashion Spezialist/in) absolvierte. Heute ist sie Gründerin und CEO ihres eigenen Labels ELS sowie der Editorial-Plattform PULP, auf der regelmässig tief recherchierte Artikel zu den Themen Fashion, Kultur und Business erscheinen. Sie sieht Mode als eine kulturelle Sprache – eine, die Systeme hinterfragen, Identität ausdrücken und den Dialog zwischen verschiedenen Disziplinen fördern kann.

 

Edie, erinnerst du dich an den Moment, in dem dir klar wurde: Fashion wird mehr als nur ein Interesse für dich?

Fashion begleitet mich, seit ich zurückdenken kann. Mein allererste direkte Erfahrung mit einem Kleidungsstück war – rückblickend ziemlich mutig – die Chanel-Jacke meiner Mutter. Ich habe sie auseinandergenommen, um zu verstehen, wie sie konstruiert ist. Sie war nicht begeistert. Ich dafür umso mehr. In diesem Moment wurde mir klar: Ich will wissen, wie Mode funktioniert.

 

Dieser Wunsch hat dich später an die STF geführt. Was hast du bei uns studiert?

Ich habe von 2014 bis 2016 den Studiengang Fashion Assistant (Anm. d. Redaktion: Der Studiengang heisst heute Fashion Spezialist/in) an der STF. Für mich war das die perfekte Möglichkeit, meinen Traum ernsthaft zu verfolgen, ohne mein Leben komplett auf den Kopf zu stellen.

 

Warum hast du dich damals für die STF entschieden?

Die STF hat einfach gepasst. Sie war praxisnah, klar strukturiert und trotzdem kreativ. Ich hatte das Gefühl, dort wirklich etwas zu lernen, das man später auch anwenden kann – nicht nur schöne Ideen, sondern echtes Handwerk.

 

Was hat dir am Studium besonders gefallen?

Die Herangehensweise. Alles war sehr fundiert und präzise. Und das Wichtigste: Das Wissen ist bis heute relevant. Ich profitiere immer noch davon, was ich damals gelernt habe: Schnitttechnik, Konstruktion, Marketing, Kundenanalyse. Ich nutze dieses Wissen bis heute. Nichts davon war umsonst oder verlorene Zeit.

 

Gibt es einen Moment aus dem Studium, der dir besonders geblieben ist?

Ja, mehrere. Besonders die Schnitttechnikstunden sind mir geblieben – unsere Dozentin Deborah hatte eine unglaubliche Art, einem die Angst zu nehmen.

Und dann die Exkursion zu Akris: das grüne Kleid von 2015, das in Kollaboration mit Thomas Ruff entstanden ist. Das war extrem inspirierend.

 

Was hat dich während des Studiums am meisten inspiriert?

Zu sehen, dass Technologie und Kreativität sehr gut zusammenpassen. Das hat mir viel Sicherheit gegeben – dass Mode nicht nur Bauchgefühl ist, sondern auch Struktur und Wissen braucht.

 

Was war für dich die grösste Herausforderung?

Definitiv die Schnitttechnik. Das war nicht einfach. Aber genau da habe ich gelernt, dranzubleiben. Es lohnt sich, sich durch solche Phasen durchzukämpfen.

 

Wie ging es nach dem Abschluss für dich weiter?

Ich habe weiterstudiert – zuerst Fashion Design und Production in Sacramento und danach meinen Master in Contemporary Fashion Design in Paris. Ohne die STF wäre dieser Weg für mich nicht möglich gewesen.

 

Heute bist du CEO deines eigenen Labels. Was machst du genau?

Ich bin Gründerin und CEO von ELS, meinem eigenen Brand. Gleichzeitig bin ich auch CEO von PULP, unserer Editorial-Plattform, auf der wir fundierte Artikel über Fashion, Culture und Business veröffentlichen. Ich habe viele Jahre in der Fashionbranche gearbeitet und dieses Jahr meine Firma gegründet. Heute bin ich für alles verantwortlich – von Design über Branding bis Business. Die Produktion findet in Mendrisio bei Punto 301 statt – alles ist Swiss Made. Darauf bin ich besonders stolz, nicht aus Nationalstolz, sondern weil ich zeigen möchte, dass lokale Produktion in der Schweiz möglich ist.
Zudem ist unsere Brand Teil von Maison Shift, was für ein junges Modelabel in der Schweiz eine unglaublich wertvolle Unterstützung ist.

 

Was liebst du an deiner Arbeit am meisten?

Fashion natürlich. Aber auch das Ganze drumherum: Markenaufbau, Marketing, strategisches Denken. Diese Mischung macht es für mich spannend. Besonders erfüllend ist es auch, mit PULP Inhalte zu schaffen, die Wissen teilen und neue Perspektiven auf Mode und Kultur eröffnen.

 

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der Fashion studieren möchte?

Studier Fashion nur, wenn du es wirklich willst. Glamour und Selbstdarstellung haben wenig mit Fashion Design zu tun. Und wenn dein Ziel ist, reich und berühmt zu werden, dann ist es wahrscheinlich nicht der richtige Weg. Es ist harte Arbeit, oft ohne schnelle Belohnung – aber wenn man es liebt, lohnt es sich trotzdem.

 

Hast du ein Ziel oder einen Traum für die Zukunft?

Ich möchte einfach weitermachen. So, wie es jetzt ist. Ich bin glücklich, wenn ich das tun kann, was ich gerade mache.

 

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Studiengang Fashion Spezialist/in Essentials STF

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