Kathleen entschied sich für das Studium Dipl. Textil- und Verfahrenstechniker/in HF sowie BSc (Hons) Textile Design & Technology an der STF, um ihre kreative Leidenschaft mit technischem Wissen zu verbinden. Die praxisnahe Ausbildung vermittelte ihr nicht nur fundierte Kenntnisse in Textiltechnologie, sondern öffnete ihr auch Türen zu einer vielfältigen Berufswelt. Heute arbeitet sie als Webexpertin und unterrichtet parallel Theorie für Bekleidungsgestalter/innen EFZ.
Kathleen, wenn du auf dein Studium zurückblickst, was hat dich damals motiviert, diesen Weg einzuschlagen?
Schon lange faszinierte mich die Welt der Textilien – ihre Ästhetik, ihre Haptik, die unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Als ich auf die STF stiess, war mir sofort klar: Hier kann ich meine kreative Seite mit der Welt der Technik verbinden. Textile Technologie-Ausbildungen werden immer seltener und die STF geniesst in diesem Bereich einen exzellenten Ruf. Diese einmalige Gelegenheit wollte ich unbedingt nutzen. Gleichzeitig war es eine Gelegenheit, mein Deutsch zu verbessern und mich einer neuen sprachlichen und kulturellen Umgebung zu öffnen.
Und wie war es, diesen Schritt in eine neue Sprache und Kultur zu wagen?
Es war spannend, aber nicht immer einfach. Ich kam aus der Romandie in die Deutschschweiz und meine Muttersprache ist Französisch. Vor dem Studium besuchte ich einen Intensivkurs Deutsch. Danach musste ich zwischen Hochdeutsch und Schweizerdeutsch jonglieren – besonders am Anfang war das eine grosse Herausforderung. Doch die Lehrer waren unglaublich geduldig und meine Kommilitonen haben mich auch stark unterstützt. Rückblickend hat mich diese Erfahrung gestärkt und mir gezeigt, wie wertvoll Unterstützung und Zusammenarbeit sind.
Was hat dir am meisten am Studium gefallen?
Am meisten beeindruckt hat mich, wie nah die STF an der Berufswelt ist. Die Lehrkräfte verfügen über umfangreiche Erfahrungen in der Textilbranche und teilen ihr Wissen mit Leidenschaft. Durch den Austausch mit ihnen und meinen Kommilitonen habe ich die Welt der Textilien aus ganz neuen Perspektiven entdeckt. Besonders spannend war es, im Labor zu experimentieren – ich erinnere mich an eine Unterrichtsstunde, in der wir einen leuchtend blauen Farbstoff testeten und dabei so viel verschütteten, dass meine Schuhe und Socken blau wurden! Solche Momente bleiben unvergesslich.
Gab es auch Herausforderungen, die du meistern musstest?
Definitiv. Die Sprachbarriere war nur eine der Herausforderungen. Hinzu kam, dass ich mich in einer sehr technischen Umgebung zurechtfinden musste, da ich ursprünglich aus einer rein kreativen Welt kam. Doch dank der Unterstützung der Lehrkräfte und der Offenheit meiner Mitstudierenden konnte ich mich gut einfinden. Ich habe gelernt, wie man aus Herausforderungen Chancen macht – und das prägt mich bis heute.
Welchen Nutzen ziehst du heute aus deinem Studium?
Mein Studium hat mir einen umfassenden Überblick über Textiltechnologie verschafft – ein riesiges Feld, das Design, Physik, Chemie und vieles mehr umfasst. Diese breit gefächerte Ausbildung bedeutet, dass ich nie überfordert bin, egal welches Projekt auf mich zukommt. Ausserdem habe ich gelernt, in Teams zu arbeiten und komplexe Projekte zu managen – Fähigkeiten, die mir in meinen jetzigen Jobs täglich zugutekommen.
Du arbeitest heute sowohl bei Bcomp als auch als Lehrerin. Wie kam es dazu?
Während meines Studiums machte mich ein Lehrer auf eine Stelle bei Bcomp aufmerksam – dank dieser Gelegenheit habe ich heute meinen Traumjob. Ich begann ein Praktikum, das am 1. Januar meines Abschlussjahres direkt in eine Festanstellung als Webexpertin mündete. Bei Bcomp entwickle ich Flachgewebe für die Industrie, unter anderem für Autos. Es ist unglaublich spannend zu sehen, wie meine Arbeit später in Produkten umgesetzt wird.
Parallel dazu unterrichte ich Theorie für Bekleidungsgestalter/innen EFZ an der Nähschule in Freiburg. Diese Kombination aus praktischer Arbeit und Wissensvermittlung ist perfekt für mich.
Schon meine Anstellung vor Bcomp entstand durch eine Empfehlung: Ganz zu Beginn machte mich die ehemalige Direktorin auf eine Position im Kundenservice aufmerksam, die mir den Einstieg in die Berufswelt erleichterte. Ohne das Studium an der STF und das daraus entstandene Netzwerk wäre ich heute vermutlich nicht hier.
Was begeistert dich an deiner Arbeit am meisten?
Die Abwechslung! In der Nähschule kann ich meine Leidenschaft für Textilien an die nächste Generation weitergeben – die direkte Verbindung zu den Schülern ist extrem bereichernd. Bei Bcomp lerne ich ständig Neues, entwickle konkrete Lösungen und arbeite mit innovativen Materialien. Und dann gibt es diese kleinen Momente, in denen du ein Auto siehst, das mit dem Stoff ausgestattet ist, an dem du monatelang gearbeitet hast. Das ist ein unglaubliches Gefühl.
Welchen Rat würdest du Interessenten geben, die denselben Weg einschlagen möchten?
Wenn du Design, Kunst, Technik und Wissenschaft liebst und sowohl Innovation als auch Tradition schätzt, dann ist Textiltechnologie der richtige Weg. Es ist eine perfekte Mischung aus Kreativität und Technik. Die Branche braucht Menschen mit Leidenschaft, die neue Ideen einbringen. Du kannst dann wirklich etwas bewegen.
Hast du einen Traum für die Zukunft?
Ja – ich träume von einer Textilindustrie, die verantwortungsvoll handelt. Dass wir endlich verstehen, was hinter jedem T-Shirt steckt und die Auswirkungen unserer Arbeit auf Umwelt und Gesellschaft respektieren. Bis dahin freue ich mich, jeden Tag Neues zu lernen, zu gestalten und meine Leidenschaft zu teilen.